Als ich während der letzten Woche fast täglich mehr als 200 Spamkommentare hier vorfand und ich keine andere Wahl mehr hatte als in allen Beiträgen auf die Spam eingehen die Kommentarfunktion zu deaktivieren - war ich so genervt, dass mir in den Sinn kam mein Weblog aus dem Netz zu nehmen. Erst erschreckte mich mein eigener Gedanke, wo kam der plötzlich her?
Oder schlummerte er schon länger verborgen in mir und ich hatte ihn nur nicht zugelassen?
Seitdem denke ich ernsthaft darüber nach, wie es hier weiter gehen soll, und ob überhaupt.
Natürlich spielen auch die ungünstigen, äußeren Begebenheiten eine Rolle bei meinen Gedanken. Denn dadurch dass ich kaum noch Zeit zum Bloggen habe, zudem keinen eigenen funktionstüchtigen, verlässlichen PC mehr habe ist mir die Lust am Bloggen schon seit Monaten vermiest. Aber für den Fall dass meine Gedanken nur dem Frust meiner momentanen Situation entsprungen sind, würde es mir später wahrscheinlich leid tun, das Weblog aufgegeben zu haben. Denn das Leben bleibt nicht stehen, es geht weiter, irgendwann werde ich auch wieder mehr Zeit und einen neuen PC haben.
Also vielleicht erstmal einfach durchhalten und auf eine baldige günstige Wendung hoffen?
Als ich mich damals, vor fast vier Jahren aus einem spontanen Entschluss heraus ins Bloggerleben stürzte, war dies eine neue Welt für mich. Zum einen war es ein gewaltiger Schritt aus dem stillen Schreibkämmerlein hinaus in einen öffentlichen, auch für andere Menschen ersichtlichen Schreibraum zu wechseln, zum anderen aber auch ein Abenteuer, auf dass ich mich gerne einließ. Ich hatte eine Möglichkeit für mich gefunden, die mir das verschaffte, was damals wichtig für mich war: mich darin zu versuchen für andere, für Leser, zu schreiben, mich so im Schreiben weiter entwickeln zu können. Und schaffte es dadurch auch nach Beendigung meines Schreibstudiums am Schreiben dran zu bleiben.
Dieses Weblog war auf jeden Fall eine Bereicherung und ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens.
- Doch ist es das auch jetzt noch?
Die Zeit ist nicht spurlos an mir vorübergegangen. In den fast vier Jahren meiner Bloggerzeit habe ich mich verändert. Doch wenn ich mein Blog aufschlage sehe ich immer das selbe Bild vor mir, das Design mit der Bahnhofsszene, dem vorbei rasenden Zug, dass ich mir damals ausgesucht hatte, ein Bild das voreingestellt wurde und an dem ich eigenhändig nichts verändern kann. Ein Bild - mit dem ich mich schon seit längerer Zeit nicht mehr identifizieren kann. Das bin nicht mehr ich.
Ich bin nun zu dem Entschluß gekommen, dass ich mich verändern möchte. Inwiefern, das weiß ich noch nicht.
- Es kann sein, dass ich mich erst langsam an eine Entscheidung herantaste, indem ich inhaltlich mit meinem Weblog einen neuen Weg versuchen werde.
- Es kann sein, dass ich `umziehe´, mich auf eine neue Herausforderung einlasse, mit einem neuen Blog, themenspezifisch, im Sachbereich, ein Wunsch, den ich schon lange hege, für den mir aber immer die Zeit fehlte, zwei Blogs parallel führen, würde ich nicht schaffen.
- Es kann ebenso sein, dass ich zu dem Schluß komme, den hier eingeschlagenen Weg in gewohnter Weise weiterzugehen.
- Es kann auch sein, dass ich mich ganz aus dem Bloggen zurückziehe, den Weg wieder zurückgehe in mein stilles Schreibkämmerlein, um mit dem Schreiben und mir wieder allein zu sein.
- Es kann sein, dass ich in diesem Fall dieses Weblog hier ruhen, aber offen lasse, für Menschen, die sich vielleicht hierher verirren und Spaß am Lesen der Texte haben.
- Es kann auch sein, dass ich einen klaren Schnitt mache, und das Weblog aus dem Netz nehme.
Über all dies werde ich eingehend nachdenken. Wie lange es dauern wird, bis ich für mich selbst Klarheit habe, weiß ich nicht.
Darum stelle ich hiermit mein Weblog auf unbestimmte Zeit auf `Standby´ .
Bedeutet: Es bleibt erstmal so stehen, wie es ist, aber es wird vorläufig keinen neuen Beitrag von mir geben. Erst dann wieder, wenn ich eine Entscheidung getroffen habe.
Ich komme natürlich weiterhin in euren Blogs vorbei, daran wird sich nichts ändern. Den Kontakt zu euch nöchte ich nicht missen. Es geht mir nur darum, für mich selbst einen neuen Weg zu finden.
An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an euch alle, die ihr hier lesend und kommentierend eure Zeit mit mir verbracht habt. Ohne euch wäre dieses - mittlerweile recht füllige - “Weblog-Buch” hier nie entstanden.
Man liest sich auf jeden Fall auch weiterhin, so oder so.
Liebe Grüße,
eure Wally

